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Regelmäßige
Einführungsseminare an drei Abenden
für Eltern, für Anfängermütter,
Anfängerväter und für solche
die es werden oder besser machen wollen
Kurzvorträge
und Aussprache Materialien zum Selbststudium Dialogisches
Lernen Übungen
Zeit:
Bis auf weiteres jeden
3. Donnerstag im Monat,
jeweils um 20 Uhr
Ort: Tübingen, Kirch am Eck
Leitung:
Dr. Gerhard Schneider, Institut für Erziehungwissenschaft
der Universität Tübingen
Dr. Gottfried Maria Barth, Kinder- und Jugendpsychiater,
Kinderarzt und Psychoanalytiker
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Eltern fühlen
sich manchmal überfordert...
Niemand bezweifelt
die Notwendigkeit von Fahrschulen. Jeder, der ein Auto fahren will, findet
es selbstverständlich, seinen Führerschein zu machen.
Lehrerinnen und Erzieherinnen müssen sich einer langjährigen
Ausbildung und Prüfung unterziehen, bevor sie mit Kindern arbeiten
dürfen...
Bei Eltern ist
das anders. Sie sind zwar die wichtigsten Erzieher, müssen aber ihr
Metier schon können, sobald ein Kind unterwegs ist. Meist geht das
ja ganz gut. Viele holen sich auch in Krisenzeiten Hilfe bei professionellen
Beratern. Aber viele Väter und Mütter fühlen sich überfordert
und bedauern ihre mangelnde Vorbereitung.
Autofahren ist leichter. Und
Erziehung ist keine Technik. Dennoch lassen sich viele Probleme vermeiden,
wenn man sich auf das Elternsein vorbereitet und sich immer wieder dazu
weiterbildet.
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Mögliche Themen
- Was ist Erziehung?
Mütter, Väter, und andere Erzieher. Über Aufgaben, Rollen
und Einflüsse in der Familienerziehung.
- Mein Leib bin ich. Über
Wachstum, Gesundheit und Ernährung, Geschlechtlichkeit.
- Stufen der Entwicklung
und Spiel der Kinder.
- Kinder verstehen. Das Gespräch
mit Kindern und Jugendlichen. Umgang mit Konflikten, Strafen.
- Führen oder Wachsenlassen?
Über Freiheit und Autorität, Ziele und Menschenbilder in der
Erziehung.
- Erziehungsinstitutionen
und Familie. Das Lernen lernen. Soziales Lernen.
- Erziehungsprobleme, Störungen,
Krankheiten und Behinderungen.
- Medien, Kinder- und Jugendliteratur.
- Moralische und religiöse
Erziehung.
- Über Rechtsfragen,
Leistungen und Hilfen für Familien.
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Unsere Arbeitsmethoden
im Seminar
Adressatenorientierung:
In unserem Seminar werden wir arbeiten und lernen, wie es unter Erwachsenen
sein sollte: Das Tempo des Lernens bestimmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer
selber. Es gibt bei uns keine dummen Fragen und auch keine
besserwisserischen Antworten und entmutigende Zeigefinger. Dialogisches
Lernen muß angstfrei sein und Spaß machen.
Theorie Praxis:
Die Seminarabende werden von Fachleuten durchgeführt, die nicht nur
erfahren sind im Umgang mit Erwachsenengruppen, sondern neben der Theorie
vor allem auch die Elternpraxis kennen. Praktische Erfahrung und theoretisches
Wissen sollen in eine fruchtbare Wechselwirkung kommen. Die notwendige
Theorie wird in Kurzvorträgen und mit didaktisch aufbereiteten Lernmaterialien
vermittelt. Wichtige erzieherische Fertigkeiten werden durch Übungen
gelernt und vertieft.
Workshops und Fortsetzungsseminare:
Das in unserem Seminar einzuübende dialogische Lernen
bringt die Teilnehmer näher und schafft Gemeinschaften von Freunden,
die sich im Elternalltag unterstützen können. Wir werden im
Anschluß an unser Einführungsseminar weitere Abende mit freier
Themenwahl anbieten. Möglich sind auch gruppenspezifische Workshops,
die die Elternarbeit in solchen Freundeskreisen kontinuierlich begleiten
kann.
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Über
Lenkungsmaßnahmen und Gegenwirken
in der Erziehung
Ein Lesebeispiel
Die Gegenwirkung ist gewiss
der schwerste und heikelste Teil der Erziehung. Sie ist belastet von den
Traditionsströmen der Kinderunterdrückung, von Strafpraxis und
Schuldisziplin, die zu den dunklen Kapiteln europäischer Tradition
gehören. Hat Erziehung etwas mit Auschwitz zu tun? Ist die Geschichte
der Kriege, der Menschenverbrennungen, der Pogrome eine direkte Folge
und Auswirkung der Gewalthandlungen, die Eltern und Erzieher wieder und
wieder an Kindern begehen? Oder ist die Gewalt an Kindern eher ein Ausdruck
des gewalttätigen Umgangs der Menschen miteinander? Die Vehemenz,
mit der diese Fragen aufgeworfen worden sind (A. Miller 1980), geht unter
die Haut. Wenn im Namen erzieherischer »Gegenwirkung« Kindern
so Schlimmes angetan wird, wer mag da über den Sinn und die Notwendigkeit
von Gegenwirkung überhaupt noch sprechen?
Auch die rabiate Gewaltanwendung sucht sich ja noch mit der Absicht zu
rechtfertigen, man müsse doch das Kind vor dem falschen Weg bewahren
und seine aufkommende Bosheit und Verstocktheit beizeiten austreiben.
Sind das nur Grenzüberschreitungen und Missgriffe in der Wahl der
Mittel? Oder zeigen diese Mittel vielmehr das wahre und ungeschminkte
Gesicht der Erziehung?
Denn die weniger brutalen Lenkungsmaßnahmen,
die subtilen Strafen, frostige Zurückhaltung, Aufmerksamkeitsentzug,
Ironie und ähnliche Spitzigkeiten sie sind vielleicht nur
die psychologisch verfeinerten Methoden für das gleiche brutale Vorhaben,
nämlich den Kindern Unangenehmes zuzufügen, wenn sie nicht tun,
was sie sollen. In ihrer verdeckten Form, als pädagogische Nötigung
oder als psychologischer Druck, sind sie so sagen die Kritiker
nur raffinierter und damit unlauterer, aber nicht von grundsätzlich
anderer Qualität als die Lenkung und Bestrafung mit körperlicher
Gewalt. Nicht nur das ganze Arsenal solcher Einwirkungen, sondern die
dahinterstehenden »guten Absichten« selber werden deshalb
von ihnen als Gewaltausübung, als Kinderfeindlichkeit an den Pranger
gestellt.
Text aus Andreas Flitner:
Konrad sprach die Frau Mama... Über Erziehung und Nicht-Erziehung.
München 1985.
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