Das ökumenische Kirchenasyl
in Tübingen

 
 
Familie Güler ist von der Abschiebung bedroht
 

Katholisches Pfarramt
St. Ulrich Wehingen

Katholisches Pfarramt
St. Michael
Herrn Pfarrer Steiger
Hechinger Str. 45
72072 T ü b i n g e n
 

26.7.2000

Asylbewerber Familie Güler

Sehr geehrter Herr Pfarrer Steiger, sehr geehrter Herr Hauf,
sehr geehrte Damen und Herren,

es tut mit leid, dass Sie so lange auf meine Reaktion warten mußten. Die Gründe dafür zu erklären würde jedoch zu weit führen.
Schon seit über 8 Jahren habe ich mehr oder weniger regelmäßig Kontakt mit der Familie Güler in Wehingen.
Ich habe sie kennengelernt – soweit ich das beurteilen kann – als offene, umgängliche, ehrliche und kooperative Leute. Sie machen niemandem Probleme, wollen redlich hier ihren Lebensunterhalt verdienen. Ein Sohn, der als Asylbewerber anerkannt worden ist, arbeitet in seinem hier erlernten Beruf als Facharbeiter der Zerspannungsmechanik. Der zweite Sohn hat (halblegal) eine Berufsausbildung begonnen, war dabei erfolgreich, mußte sie aber aufgrund der Abschiebeverfügung quasi über Nacht abbrechen. Auch die beiden Töchter sind daran interessiert, so bald wie möglich eine Arbeit oder Ausbildung aufzunehmen.
Das heißt die Familie hat kein Interesse, ohne Notwendigkeit Sozialleistungen unseres Staates bzw. der Kommunen in Anspruch zu nehmen, was an sich schon Anerkennung verdient.
Die ganze Familie ist sehr integrationsfähig. Sie gehört der alewitischen Richtung des Islam an, der vom fundamentalistischen Flügel der Moslems verfolgt und unterdrückt wird, weil sie westlich orientiert sind und sich nicht an vermeintlich orthodoxe moslemische Vorschriften halten. Ich kann nicht verstehen, dass diese Familie abgeschoben werden soll und habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit das verhindert werden kann:
Über ihre Rechtsanwälte, über den MdL Franz Schuhmacher und habe sogar das Anliegen persönlich dem Innenminister des Landes in einem Gespräch vorgetragen.
Nachdem der Petitionsausschuss des Landtages den Antrag auf Asyl unverständlicherweise abgelehnt hat, schien kaum mehr eine Chance zu bestehen, dass sie legal hier bleiben könnten.
Für uns hier als mittlere Landgemeinde ist ein Kirchenasyl einfach deshalb nicht machbar, weil uns die dafür notwendige Infrastruktur an Menschen und Finanzen fehlt, die das u.U. über einen längeren Zeitraum mittragen müßten. Außerdem sind unsere Gemeindehausräumlichkeiten dafür ungeeignet. Darum würde ich es sehr begrüßen und empfehlen und wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Familie Güler von Ihren Kirchengemeinden Unterstützung für ein Kirchenasyl gewährt werden könnte, so lange wenigstens, bis sie eine Möglichkeit sieht in ein Land ihrer Wahl auszuwandern, was ihre Absicht ist.
Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis und Ihre Bemühungen und stehe Ihnen jederzeit gerne für Rückfragen zur Verfügung.

Mit freundlichem Gruß

Pfarrer Norbert Bentele
Dekan

 

 

 

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